Dieser Bereich wurde aufgebaut von Frau Tina Schwanecke
Clicker - Training
Allgemeines
Ein Clicker ist ein Knackfrosch (Kinderspielzeug) mit dem bekannten Geräusch "click-clack". Für das Clicker-Training gibt es jedoch stabile Clicker in Kastenform, die angenehm zu handhaben und annähernd unkaputtbar sind.
Das Clicker-Training ist eine völlig gewaltfreie Ausbildungsmethode, die nicht irgendeine "neumodische Spinnerei" ist, sondern auf den Ergebnissen wissenschaftlicher Lernexperimente beruht. Diese Methode wurde bereits Anfang der sechziger Jahre in den USA an Delphinen erprobt. Karen Pryor wandte sie dann erstmals auch bei Hunden an. Sie wird ebenfalls bei allerlei anderen Tieren angewandt und soll sogar bei Kindern funktionieren. ;-)
Zunächst wird der Hund "klassisch" auf den Clicker konditioniert. D.h. er lernt eine Verknüpfung herzustellen zwischen dem (zunächst noch) neutralen Reiz (Click) und einer Belohnung (z.B. Leckerchen oder Spiel o.ä.).
Anschließend folgt die operante Konditionierung, d.h. die gewünschte Handlung wird nicht unmittelbar belohnt, sondern mittels des Clickers verstärkt. Während seiner Konditionierung auf den Clicker hat der Hund schnell begriffen: Click=Belohnung (C&B). Der Click vermittelt dem Hund so zu sagen: Das war richtig, hol Dir die Belohnung. Damit der Hund die Bestärkung auch wirklich mit dem erwünschten Verhalten verbindet (z.B. mit dem Hinsetzen und nicht mit dem evtl. kurz darauf folgenden Aufstehen), ist es sehr wichtig, außerordentlich zeitgenau zu clicken. ½ Sekunde (!) nach dem Verhalten ist ideal. Natürlich könnte man den Hund auch auf ein beliebiges anderes Geräusch konditionieren. Der Clicker hat jedoch den Vorteil, ein gut hörbares, stets gleichbleibendes Geräusch zu machen, welches im Alltag sonst kaum zu finden (also auch nicht zu verwechseln) ist. Der größte Vorzug des Clickers ist jedoch die Tatsache, dass das Geräusch neutral und vollkommen emotionslos ist.
Der wesentliche Unterschied zur klassischen Korrektur-Erziehung ist, dass der Hund hier überhaupt nicht "gesagt" bekommt, was man von ihm will. Er soll es selbst herausfinden. Das erfordert von ihm Kreativität und Initiative (die dabei natürlich stark gefördert werden) und vom Ausbilder höchste Disziplin und sehr viel Geduld. "Fehler" des Hundes sind erlaubt und werden lediglich ignoriert. "Richtiges" Verhalten, das der Hund anfänglich ja lediglich durch Zufall zeigt, wird sofort durch C&B bestärkt. Ein Verhalten "ohne Folge" (ignorieren) löscht allmählich aus, während Verhalten, welches positiv bestärkt wird, zunehmend häufiger gezeigt wird. Da Fehler lediglich ignoriert werden, gibt es kei-nerlei Strafen.
Der Hund lernt also gern, denn das schlimmste, was ihm passieren kann, ist, dass NICHTS passiert. Kein Rucken, kein Zerren, kein Schreien. Er hat also keinen Grund, sich zu fürchten, und der Hund wird zunehmend experimentierfreudiger.
Das gewünschte Verhaltensziel wird in sehr viele kleine Einzelschritte zerlegt, und jeder einzelne Schritt wird gründlich geformt. Allmählich kann man dann einen an den anderen reihen, bis man das endgültige Ziel erreicht hat. Erst, wenn der Hund das gewünschte Verhalten sicher von sich aus zeigt, wird (endlich) ein Signal (früher: Kom-mando) eingeführt. Wieder gibt es dann verschiedene Übungsstufen, um zu erreichen, dass das gewünschte Verhalten, das der Hund zuvor eigenständig nur durch positive Bestärkung erlernt hat, nun auf ein Signal hin sicher und letztendlich auch ohne Clicker gezeigt wird.
Auf den ersten Blick mag das Clicker-Training dem einen oder anderen etwas zeitraubend erscheinen. Ein glücklicher Hund, der sehr freudig mitarbeitet und geradezu scharf auf neue Übungen ist, wird die große Belohnung sein. Zum sicheren Verständnis der wesentlichen Unterschiede zur "klassischen" Korrektur-Methode sind beide nachfolgend nochmals kurz gegenüber gestellt:
Erziehung nach klassischer Korrektur-Methode
Der Hund wird zum erwünschten Verhalten gezwungen. Fehler werden durch Strafen beseitigt. Eigeninitia-tive des Hundes ist unerwünscht. Zwischen den Übungen muss der Hund motiviert werden, damit er das Vertrauen zum Ausbilder nicht völlig verliert. Die Korrektur-Methode ist eine ständige Gradwanderung, denn zu schwache Einwir-kungen führen keine Verhaltensänderung herbei, zu starke jedoch zeigen schnell unerwünscht heftiges Meidever-halten. Derartige Fehler lassen sich zum Teil nur schwer oder überhaupt nicht wiedergutmachen.
Folge:
Der Hund verfällt in Passivität, denn wer nichts tut, macht auch keine Fehler. Und wer keine Fehler macht, muss nicht mit Strafe rechnen.
Erziehung durch positive Bestärkung
Der Hund probiert verschiedene Verhalten aus, das erwünschte Verhalten wird bestärkt und infolgedessen zunehmend häufiger gezeigt. Unerwünschtes Verhalten wird lediglich ignoriert und stirbt aus. Auch wenn der Ausbilder nicht alles richtig macht, kann er zumindest nichts wirklich falsch machen. Deshalb kann er ge-fahrlos alleine (ohne Aufsicht durch einen weiteren "Fachmenschen") arbeiten
Folge:
Der Hund ist experimentierfreudig, probiert immer neues aus und ist mit Eifer und Freude bei der Sache, denn er hat ausschließlich mit angenehmen Folgen und nie mit Strafen zu rechnen. Und Annehmlichkeiten möchte der Hund so oft wie möglich haben. Dafür ist er auch bereit, sich richtig anzustrengen! Ja, - aber wenn der Hund einfach nicht will? Bedenken Sie, der Hund hat IMMER die Wahl; das zu tun, was der Ausbilder verlangt oder etwas anderes. Spätestens wenn er nicht mehr angeleint ist, kann der Hund frei über sein Tun entscheiden. Ein Hund, der in der Erziehung nur positive Erfahrungen macht, der die größten Vorteile für sich (positive Bestärkung und Belohnungen, auch ein Hund ist ein Egoist) durch seinen Ausbilder macht, wird sich viel häufiger FÜR IHN entscheiden, als ein Hund, der durch den Ausbilder ständig gegängelt und korrigiert wird.